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Strapazin: Das Comic Magazin #154 - Arabische Comics

März 2024

Vor anderthalb Jahren war ein ägyptischer Comic-Zeichner im STRAPAZIN-Atelier zu Gast, durch ihn bekam ich einen guten Einblick in die überraschend vielfältige Welt arabischer Comics, von der ich vorher fast nur diejenigen Protagonist *innen kannte, die bereits in europäischen Verlagen publiziert hatten.

 

Ich wollte mehr über die arabische Comic-Welt erfahren und konnte dank der Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia im November 2022 zusammen mit dem Zeichner Luigi Olivadoti das CairoComix-Festival in Kairo und anschliessend die gerade entstehende Comic-Szene in Alexandria besuchen, die unterdessen bereits ein Festival auf die Beine gestellt hat: comixandria.

 

Begeistert von dieser Aufbruchstimmung freundete ich mich mit der Idee an, eine STRAPAZIN-Ausgabe zum Thema Comics im arabischen Raum zusammenzustellen.

 

Dann, am 7. Oktober letzten Jahres, veränderte sich (nicht nur) die arabische Welt schlagartig. Der Angriff der Hamas auf friedlich tanzende Jugendliche, das Abschlachten, die Vergewaltigungen, die Geiselnahmen und kurz darauf die brutale Reaktion Israels, der offene Krieg gegen die Bevölkerung von Gaza und Rafah, all das erschütterte jeden denkenden und fühlenden Menschen.

 

Kein Wunder, hatten drei der Comics, die mich erreichten, diese Vorfälle, diesen Krieg zum Thema. Nicht als ausgewogenen Geschichten, die beide Seiten, die der Palästinenser*innenals auch jene der israelischen Bevölkerung, berücksichtigen, sondern als Comics von betroffenen, wütenden Zeichner*innen -einer sehr emotional und direkt, ein anderer akribisch und gewollt einseitig die blutige Geschichte Palästinas aufzeichnend.

 

Leider sind diese beiden Comics im vorliegenden Heft nicht zu sehen, da sie einem Teil meiner Mitherausgeber*innen zu extrem erschienen, was ich sehr bedaure.Hingegen freut es mich, dass der dritte Comic, der den Krieg als Thema hat, derjenige von Lena Merhej, es trotz aller Anfeindungen ins Heft geschafft hat. Auch Lenas Geschichte ist nicht ausgewogen und sie wagt es, wenn auch über den Umweg des Zitats,den Krieg und seine Profiteur*innen sehr direkt zu benennen.

 

Es freut mich ausserordentlich, dass sich elf Zeichner*innen aus dem arabischen Raum sowie eine Schreiberin, Abir Gasmi, bereit erklärt haben, eines ihrer Werke einzuschicken, die meisten sind sogar speziell für STRAPAZIN gemacht worden. Dieses Heft kann und will keinen objektiven Überblick über das Comic-Schaffen in den arabischsprachigen Ländern zeigen, dafür reicht der Platz bei weitem nicht aus. Denn obwohl der Arabische Frühling nur kurz aufblühte, entstand in den letzten Jahren eine Vielzahl an Comics, vor allem auch solche von Frauen, was in einigen Ländern bis vor kurzem noch undenkbar gewesen wäre. Und es werden durchaus heikle Themen behandelt: Emigration, Sexualität, geschlechtliche Identität, soziale Unruhen, Widerstand gegen die Staatsmacht -- den Freiraum, solche Themen zu behandeln, scheinen sich die Comic-Zeichner*innen zumindest in gewissen Ländern erkämpft zu haben; in anderen aber droht noch immer Zensur und strafrechtliche Verfolgung, weshalb nicht wenige Zeichner*innen in der Diaspora leben.

 

Manchmal erfolgt die Emigration aber auch, weil es im eigenen Land sowohl an staatlicher Unterstützung als auch an Verlagen mangelt, die sich den Comics annehmen und sie gar fördern würden. Ohne die Unterstützung kultureller Institutionen aus dem Ausland würden einige Festivals nicht existieren.

 

Ich hoffe, mit dem Abdruck dieser elf Geschichten Lust auf mehr gemacht zu haben. Besucht die im Heft erwähnten Comic-Festivals, lest die Alben aus arabischsprachigen Ländern-es gibt eine grosse Menge von übersetzten Comics! Und neben gezeichneter Geschichten gibt es auch geschriebene, wie Wolfgang Bortlik auf den Seiten 67/68 im Interview mit Anne Burri und Tom Forrer vom Lenos Verlag beweist. Ich wünsche viel Vergnügen bei der Lektüre.

 

Christoph Schuler

Vor anderthalb Jahren war ein ägyptischer Comic-Zeichner im STRAPAZIN-Atelier zu Gast, durch ihn bekam ich einen guten Einblick in die überraschend vielfältige Welt arabischer Comics, von der ich vorher fast nur diejenigen Protagonist *innen kannte, die bereits in europäischen Verlagen publiziert hatten.

 

Ich wollte mehr über die arabische Comic-Welt erfahren und konnte dank der Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia im November 2022 zusammen mit dem Zeichner Luigi Olivadoti das CairoComix-Festival in Kairo und anschliessend die gerade entstehende Comic-Szene in Alexandria besuchen, die unterdessen bereits ein Festival auf die Beine gestellt hat: comixandria.

 

Begeistert von dieser Aufbruchstimmung freundete ich mich mit der Idee an, eine STRAPAZIN-Ausgabe zum Thema Comics im arabischen Raum zusammenzustellen.

 

Dann, am 7. Oktober letzten Jahres, veränderte sich (nicht nur) die arabische Welt schlagartig. Der Angriff der Hamas auf friedlich tanzende Jugendliche, das Abschlachten, die Vergewaltigungen, die Geiselnahmen und kurz darauf die brutale Reaktion Israels, der offene Krieg gegen die Bevölkerung von Gaza und Rafah, all das erschütterte jeden denkenden und fühlenden Menschen.

 

Kein Wunder, hatten drei der Comics, die mich erreichten, diese Vorfälle, diesen Krieg zum Thema. Nicht als ausgewogenen Geschichten, die beide Seiten, die der Palästinenser*innenals auch jene der israelischen Bevölkerung, berücksichtigen, sondern als Comics von betroffenen, wütenden Zeichner*innen -einer sehr emotional und direkt, ein anderer akribisch und gewollt einseitig die blutige Geschichte Palästinas aufzeichnend.

 

Leider sind diese beiden Comics im vorliegenden Heft nicht zu sehen, da sie einem Teil meiner Mitherausgeber*innen zu extrem erschienen, was ich sehr bedaure.Hingegen freut es mich, dass der dritte Comic, der den Krieg als Thema hat, derjenige von Lena Merhej, es trotz aller Anfeindungen ins Heft geschafft hat. Auch Lenas Geschichte ist nicht ausgewogen und sie wagt es, wenn auch über den Umweg des Zitats,den Krieg und seine Profiteur*innen sehr direkt zu benennen.

 

Es freut mich ausserordentlich, dass sich elf Zeichner*innen aus dem arabischen Raum sowie eine Schreiberin, Abir Gasmi, bereit erklärt haben, eines ihrer Werke einzuschicken, die meisten sind sogar speziell für STRAPAZIN gemacht worden. Dieses Heft kann und will keinen objektiven Überblick über das Comic-Schaffen in den arabischsprachigen Ländern zeigen, dafür reicht der Platz bei weitem nicht aus. Denn obwohl der Arabische Frühling nur kurz aufblühte, entstand in den letzten Jahren eine Vielzahl an Comics, vor allem auch solche von Frauen, was in einigen Ländern bis vor kurzem noch undenkbar gewesen wäre. Und es werden durchaus heikle Themen behandelt: Emigration, Sexualität, geschlechtliche Identität, soziale Unruhen, Widerstand gegen die Staatsmacht -- den Freiraum, solche Themen zu behandeln, scheinen sich die Comic-Zeichner*innen zumindest in gewissen Ländern erkämpft zu haben; in anderen aber droht noch immer Zensur und strafrechtliche Verfolgung, weshalb nicht wenige Zeichner*innen in der Diaspora leben.

 

Manchmal erfolgt die Emigration aber auch, weil es im eigenen Land sowohl an staatlicher Unterstützung als auch an Verlagen mangelt, die sich den Comics annehmen und sie gar fördern würden. Ohne die Unterstützung kultureller Institutionen aus dem Ausland würden einige Festivals nicht existieren.

 

Ich hoffe, mit dem Abdruck dieser elf Geschichten Lust auf mehr gemacht zu haben. Besucht die im Heft erwähnten Comic-Festivals, lest die Alben aus arabischsprachigen Ländern-es gibt eine grosse Menge von übersetzten Comics! Und neben gezeichneter Geschichten gibt es auch geschriebene, wie Wolfgang Bortlik auf den Seiten 67/68 im Interview mit Anne Burri und Tom Forrer vom Lenos Verlag beweist. Ich wünsche viel Vergnügen bei der Lektüre.

 

Christoph Schuler

Fr. 15.00
ISBN: 9900100009631
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