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Dimitri Grünig: Aber schwul bin ich immer noch

«Aber schwul bin ich immer noch», erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der in einem zutiefst religiösen, konservativen Milieu im Kanton Bern aufwächst. Bereits als Kind merkt er, dass er «anders» ist. Am Anfang bleibt dieses Gefühl diffus, nicht benennbar. Mit zunehmendem Alter und Erwachen seiner Sexualität wird der Grund für sein Anderssein immer konkreter. Anfänglich versucht er seine Homosexualität wegzubeten, zu verdrängen, da sie in seinem Umfeld als Schande, als Strafe Gottes, als Krankheit angesehen wird. Aus dieser Prägung resultiert eine derart tiefe, internalisierte Homophobie, dass er sich in der Hoffnung «geheilt» zu werden, in ein «Therapieprogramm» nach US-amerikanischem Vorbild begibt.Drei Jahre lang, einmal die Woche, gewährt er dort den Seelsorger:innen Einblick in seine Biografie, seine Familie, sein Innerstes. Jedes noch so kleine Vergehen, oder negative Ereignis, in seinem, sowie im Leben seiner Verwandten, wird als möglicher Auslöser der Homosexualität betrachtet. Nach drei Jahren Selbstöffnung realisiert er, dass all die «Therapiesitzungen», die Gruppengespräche und Seelsorge ihr Ziel verfehlen - an seinen Gefühlen ändert sich nichts - er ist homosexuell. Als er sich entscheidet, aus dem Programm auszusteigen, wird er von seinem Umfeld verstossen. Die Homosexualität - auch nach jahrelangem Kampf dagegen - einfach anzunehmen scheint keine Möglichkeit zu sein.Er steht vor einem gewaltigen Gewissenskonflikt. Entscheidet er sich für ein Leben mit gelebter Sexualität, fürchtet er dafür seinen Glauben zu Opfern.Dieser ist - ebenso wie seine Sexualität - fundamentaler Bestandteil seiner Person. Er trägt ihn und gibt ihm Halt.Nach Jahrzehnten des inneren Ringens findet er schliesslich einen Weg, seinen Weg, beides, den Glauben und die Sexualität miteinander zu versöhnen.Grundlage für die Erzählung bilden Biografien, Zeugnisse und Interviews mit verschiedenen Personen zu ihren Erfahrungen mit Homosexualität und Kirche. Einige von ihnen haben Konversionstherapien und andere Massnahmen zur «Heilung» ihrer Homosexualität selbst erlebt, andere setzen sich politisch mit dem Thema auseinander.Die Erzählung steht somit für das Erlebte von vielen. Sie wird zum Schutz der einzelnen Personen aus der Sicht eines fiktionalisierten Protagonisten wiedergegeben. Die Interviews fanden im Zeitraum von 2021 bis 2023 statt und beziehen sich in der Schilderung der Lebensrealitäten auf die letzten dreissig Jahre. Die Zeichnungen sind als Reaktion auf die Interviews entstanden; sie sollen diese Erzählung verorten:Sie führen durch das ländliche Berner Oberland, hinein in die Abgeschiedenheit schattiger Täler, auf Schulhausspielplätze und in Sporthallenduschen. Immer wieder stösst der Blick an geografische und architektonische Grenzen - Mauern, welche den:die Betrachter:in auf sich zurückwerfen und den inneren Dialog und die Zerrissenheit des Protagonisten illustrieren. Meist zeigen die skizzenhaften, suchenden Bleistiftzeichnungen - die sich wie eine Bühne unter die Worte legen - das Banale, das Alltägliche und erzählen erst in Kombination mit dem Text auf subtile Weise von der Gewalt, und dem Versuch, sich bis zur Selbstaufgabe zu verändern.

«Aber schwul bin ich immer noch», erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der in einem zutiefst religiösen, konservativen Milieu im Kanton Bern aufwächst. Bereits als Kind merkt er, dass er «anders» ist. Am Anfang bleibt dieses Gefühl diffus, nicht benennbar. Mit zunehmendem Alter und Erwachen seiner Sexualität wird der Grund für sein Anderssein immer konkreter. Anfänglich versucht er seine Homosexualität wegzubeten, zu verdrängen, da sie in seinem Umfeld als Schande, als Strafe Gottes, als Krankheit angesehen wird. Aus dieser Prägung resultiert eine derart tiefe, internalisierte Homophobie, dass er sich in der Hoffnung «geheilt» zu werden, in ein «Therapieprogramm» nach US-amerikanischem Vorbild begibt.Drei Jahre lang, einmal die Woche, gewährt er dort den Seelsorger:innen Einblick in seine Biografie, seine Familie, sein Innerstes. Jedes noch so kleine Vergehen, oder negative Ereignis, in seinem, sowie im Leben seiner Verwandten, wird als möglicher Auslöser der Homosexualität betrachtet. Nach drei Jahren Selbstöffnung realisiert er, dass all die «Therapiesitzungen», die Gruppengespräche und Seelsorge ihr Ziel verfehlen - an seinen Gefühlen ändert sich nichts - er ist homosexuell. Als er sich entscheidet, aus dem Programm auszusteigen, wird er von seinem Umfeld verstossen. Die Homosexualität - auch nach jahrelangem Kampf dagegen - einfach anzunehmen scheint keine Möglichkeit zu sein.Er steht vor einem gewaltigen Gewissenskonflikt. Entscheidet er sich für ein Leben mit gelebter Sexualität, fürchtet er dafür seinen Glauben zu Opfern.Dieser ist - ebenso wie seine Sexualität - fundamentaler Bestandteil seiner Person. Er trägt ihn und gibt ihm Halt.Nach Jahrzehnten des inneren Ringens findet er schliesslich einen Weg, seinen Weg, beides, den Glauben und die Sexualität miteinander zu versöhnen.Grundlage für die Erzählung bilden Biografien, Zeugnisse und Interviews mit verschiedenen Personen zu ihren Erfahrungen mit Homosexualität und Kirche. Einige von ihnen haben Konversionstherapien und andere Massnahmen zur «Heilung» ihrer Homosexualität selbst erlebt, andere setzen sich politisch mit dem Thema auseinander.Die Erzählung steht somit für das Erlebte von vielen. Sie wird zum Schutz der einzelnen Personen aus der Sicht eines fiktionalisierten Protagonisten wiedergegeben. Die Interviews fanden im Zeitraum von 2021 bis 2023 statt und beziehen sich in der Schilderung der Lebensrealitäten auf die letzten dreissig Jahre. Die Zeichnungen sind als Reaktion auf die Interviews entstanden; sie sollen diese Erzählung verorten:Sie führen durch das ländliche Berner Oberland, hinein in die Abgeschiedenheit schattiger Täler, auf Schulhausspielplätze und in Sporthallenduschen. Immer wieder stösst der Blick an geografische und architektonische Grenzen - Mauern, welche den:die Betrachter:in auf sich zurückwerfen und den inneren Dialog und die Zerrissenheit des Protagonisten illustrieren. Meist zeigen die skizzenhaften, suchenden Bleistiftzeichnungen - die sich wie eine Bühne unter die Worte legen - das Banale, das Alltägliche und erzählen erst in Kombination mit dem Text auf subtile Weise von der Gewalt, und dem Versuch, sich bis zur Selbstaufgabe zu verändern.

Fr. 38.00
ISBN: 9783907262474
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